Ob jung, ob alt – Hochzeit wird immer wieder gefeiert, wenn zwei Menschen den Bund fürs Leben geschlossen haben. Von der grünen bis zur Kronjuwelenhochzeit – was bedeuten die vielen Bezeichnungen?
Wenn eine Tochter „unter die Haube“ kommt, weiß jeder, was gemeint ist: Die junge Frau wird bald heiraten. Doch was hat die Haube eigentlich zu bedeuten? Oder die grüne Hochzeit, die gläserne oder die Leinwandhochzeit? Alles liebenswerte Begriffe, vor Jahrhunderten entstanden, jungen Leuten von heute in ihrer Symbolik aber ein Buch mit sieben Siegeln.
Denn wer weiß schon, dass es im Mittelalter nur unverheirateten Mädchen erlaubt war, ihr Haar offen zu tragen. Sobald die Ehe geschlossen war, musste die Haarpracht vor fremden Männerblicken versteckt werden – unter einer Haube.
Der Tag, an dem die Kirchenglocken klingen, wird heute noch grüne Hochzeit genannt. Grün ist die Farbe der Hoffnung, aber auch die des Myrtenkranzes der Braut. Nach einem Jahr folgt die papierne oder baumwollene Hochzeit. Vielleicht ein Zeichen dafür, dass der Alltag in die Ehe eingetreten ist. Der Stoff, aus dem der junge Lebensbund ist, gilt noch als weich und biegsam – eben wie Papier und Wolle. Die hölzerne Hochzeit nach fünf Jahren kennen wir aus den USA. Hier schmücken Nachbarn oftmals das Haus des Ehepaars mit Holzketten und Holzpantinen – Symbole nüchterner Arbeit und Beständigkeit. Im Oldenburgischen wird dieser Tag Ochsenhochzeit genannt, sofern die Ehe noch kinderlos ist.
Das „verflixte siebte Jahr“ begeht man vielerorts als kupferne Hochzeit. Hier wurden früher – wie bei der blechernen nach acht Jahren – Kupferpfennige und blecherne Kuchenformen geschenkt. Bei der Rosenhochzeit (10 Jahre) werden noch einmal Brautjungfern und Brautführer eingeladen. Rosenschmuck bedeutet, dass die Ehe nun in voller Blüte steht.
Die halbe Wegstrecke zur Silberhochzeit feiert man als Nickelhochzeit, im Norddeutschen als Petersilienhochzeit. Dabei wird das Paar von Verwandten und Freunden überrascht, die alles mitbringen, was zu einem Fest gehört, darunter auch Petersilie. Die frische Würze soll den Ehealltag beleben.
Die gläserne oder Kristallhochzeit (15 Jahre) erinnert daran, wie leicht Glück und Glas zerbrechen können – die Eheleute werden zur „Durchsichtigkeit“, zur Ehrlichkeit, ermahnt. Nach 20 Jahren darf auf die Porzellanhochzeit angestoßen werden – höchste Zeit, neues Porzellan anzuschaffen, da das alte abgenutzt oder zerbrochen ist. Nach 25 Jahren wird auch heute noch gern die Silberhochzeit gefeiert, die Ehefrau schmückt sich dann mit einem Silberkranz.
Fünf Jahre später folgt die Perlenhochzeit: Der Ehemann schenkt seiner Frau eine Kette mit 30 Perlen – eine für jedes Ehejahr. Nach 35 Jahren (Leinwandhochzeit) sollen die Leinenschränke neu gefüllt werden, denn die Aussteuer der Braut – Handtücher und Bettzeug – ist nun schon arg zerschlissen. Zur Rubinhochzeit (40 Jahre) lässt der Ehemann seiner Frau einen Rubin auf ihren Ehering setzen.
Bei der goldenen Hochzeit nach 50 Jahren feiern die Eheleute noch einmal in ganz großem Kreis. Wer will, kann sich neue Ringe anschaffen, um die starke Zuneigung neu zu besiegeln. Die Ehe ist – wie bei der diamantenen (60), eisernen (65) und steinernen (65-1/2) Hochzeit – unzerstörbar geworden. Immer mehr Paare erleben die Gnadenhochzeit (70 Jahre) und die Kronjuwelenhochzeit (75 Jahre), denn wir leben heute länger als unsere Ahnen.
Grüne Hochzeit (frisch verheiratet)
Baumwollene Hochzeit (1 Jahr)
Hölzerne Hochzeit (5 Jahre)
Kupferne Hochzeit (7 Jahre)
Blecherne Hochzeit (8 Jahre)
Rosenhochzeit (10 Jahre)
Nickelhochzeit oder Petersilienhochzeit (12 ½ Jahre)
Gläserne Hochzeit (15 Jahre)
Porzellanhochzeit (20 Jahre)
Silberhochzeit (25 Jahre)
Perlenhochzeit (30 Jahre)
Leinwandhochzeit (35 Jahre)
Rubinhochzeit (40 Jahre)
Goldene Hochzeit (50 Jahre)
Diamantene Hochzeit (60 Jahre)
Eiserne Hochzeit (65 Jahre)
Steinerne Hochzeit (67 ½ Jahre)
Gnadenhochzeit (70 Jahre)
Kronjuwelenhochzeit (75 Jahre)