R I W E R – Blog eines Seniors

25. Mai 2009

Inflation oder Deflation?

Filed under: Allgemein — riwer @ 7:00
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Inflation Die Währungshüter haben Grund zu doppelter Sorge: Um eine drohende Deflation zu verhindern, werden derzeit große Konjunkturpakete aufgelegt, die Zinsen auf historisch niedrige Niveaus abgesenkt – aber genau diese Maßnahmen wiederum könnten den Keim der Inflation in sich tragen. Selbst Experten sind sich nicht einig, was kommen wird.

Der Direktor des Hamburger Weltwirtschaftsinstituts (HWWI) befürchtet eine deutliche Inflation. Das HWWI rechne nach einer Erholungsphase der Wirtschaft ab 2010/2011 mit einem Anstieg der Inflationsrate auf fünf Prozent und mehr im Euroraum. Inflation-1Mit der expansiven Geldpolitik von heute werde der Keim gelegt für die Inflation von morgen. Bis zu zehn Prozent Inflation hält der Wirtschaftsexperte für möglich.

In der Weltwirtschaftskrise von 1928 bis 1932 Jahren hatte Deutschland schon einmal erlebt, was eine extreme Inflation anrichten kann.

Was bedeutet Inflation?

  • Die Preise steigen unaufhörlich und zwar auf breiter Front. An der Tankstelle wie im Supermarkt. Egal ob Lebensmittel, Autos, Immobilien oder Mieten – alles wird teurer.
  • Als Folge drohen schwere Tarif-Auseinandersetzungen. Denn massive Preissteigerungen ziehen hohe Lohnforderungen nach sich.
  • Höhere Löhne wiederum verteuern die Produktion und treiben so die Preise weiter nach oben.
  • Wer Geld hat, hebt es von der Bank ab und investiert es lieber in Sachwerte, bevor es regelrecht unter den Fingern zerrinnt.
  • Eine Spirale kommt in Gang, in der sich Preise und Löhne gegenseitig in die Höhe treiben – bis zum Crash.
  • Inflation entwertet aber nicht nur Vermögen, sondern auch Schulden. Je weniger das Geld wert ist, desto leichter sind sie zu tilgen.

Eine brandgefährliche Situation. So schlimm wie bei der Weltwirtschaftskrise 1928 wird es heute aber nicht mehr kommen. Trotzdem hält der Präsident des Deutschen Institutes für Wirtschaftsforschung, Klaus Zimmermann, die aktuelle Situation für “brandgefährlich”.

Die Deflation kommt

Deflation Professor Hans-Werner Sinn, der Präsident des Münchener IFO-Instituts, sieht die Lage dagegen ganz anders. Lange galt er vielen als einer der geistigen Väter der ungezügelten Marktwirtschaft. Für eine drohende Inflation sieht Sinn keinerlei Anzeichen – ganz im Gegenteil. Er kann die Wirtschaftsexperten, die vor einer Inflation warnen, überhaupt nicht verstehen.
Denn für eine inflationäre Entwicklung fehle es an der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage. Die Leute würden ihr Geld horten. Dies sei eine Situation, in der die Preise eher nach unten gedrückt würden. Tatsächlich gingen die Inflationsraten zurzeit zurück und könnten als nächstes bei Null oder auch leicht darunter liegen. Die Amerikaner seien bereits in der Deflation. Und Japan, das Anfang der Neunziger Jahre ähnliche Schwierigkeiten mit den Banken hatte, sei nun schon seit 18 Jahren in einer Deflation. Dies sei die echte Gefahr. Professor Sinn behauptet nicht, dass wir in eine solche Situation kommen werden – aber wenn etwas Außergewöhnliches passieren könne, dann das.

Was bedeutet Deflation?

  • Es gibt viele Waren, aber wenig Nachfrage. Um ihre Produkte dennoch zu verkaufen, locken die Hersteller mit immer neuen Sonderangeboten, schlagen immer mehr Rabattschlachten.
  • Die Kunden kaufen trotzdem weniger, weil sie erwarten, dass alles noch billiger wird.
  • Die Gewinne der Unternehmen gehen zurück.
  • Es kommt zu Lohnkürzungen und Entlassungen.
  • Wer Geld hat, legt es lieber bei der Bank an, statt es auszugeben – weil es an Wert gewinnt.
  • Die Produktion geht weiter zurück. Für viele Unternehmen lohnt es sich einfach nicht mehr.
  • Aber die Deflation macht nicht nur Vermögen wertvoller. Sie macht auch Schulden teurer. Für Privatleute, Unternehmen und den Staat.
  • Weil auch die Steuereinnahmen immer weiter zurück gehen, drücken die Schuldenlasten immer schwerer. Auch hier kann es also zum Crash kommen.

Egal, ob Inflation oder Deflation: Die Experten sind sich sicher, dass die Politik und die Zentralbanken aus der Vergangenheit gelernt haben und das Schlimmste verhindert werden kann. Wie sich die Verantwortlichen am Ende entscheiden werden, darüber können aber auch die Experten nur spekulieren.

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