R I W E R – Blog eines Seniors

19. Juni 2008

Tot !

Gestern war ich auf einer Beerdigung. Der Vater eines lieben Freundes war vor einer Woche plötzlich verstorben. Der 74-Jährige legte sich abends wie gewohnt schlafen und am anderen Morgen war er tot, die Leichenstarre war schon eingetreten. Mitten aus dem Leben gerissen, plötzlich, unvorbereitet, für alle unfassbar.
Vor 14 Tagen, auf einer Geburtstagsfeier, hatte ich noch mit ihm geredet. Wir sprachen darüber, was man im Alter noch so alles vor hat. Unter anderem sagte er mir, dass er so manch´ einem jungen Menschen noch etwas vormachen könne, in Bezug auf Kraft und Ausdauer. Er fühlte sich gesund und voller Tatendrang. – Und eine Woche später dann sein überraschender Tod.
Wie schwer wir Menschen doch mit dem Tod eines nahen Verwandten umgehen können. Wir wissen alle, dass wir nur auf Zeit leben, dass unser Ende unausweichlich ist. Nur wissen wir nicht, wann dieser Zeitpunkt sein wird. Im Leben machen wir Pläne, planen für die Zukunft, doch nur sehr wenige planen auch ihr eigenes Ende. Da dieses Ende kommen wird, sollten wir darauf vorbereitet sein. Ich meine, ab einem gewissen Alter sollte man sich vorbereiten. Jeder Tag, jede Stunde, jede Minute kann der letzte Moment sein. Rechtzeitig sollte man „sein Feld bestellt“ haben, sollte fast alles geregelt haben, sollte vorbereitet sein und auch so leben. Man sollte sich auch mit dem Tod auseinander setzen, sollte darüber reden, was einen erwarten kann.
Viele Menschen haben Angst vor dem Tod und vor dem Sterben. Diese Angst kann man minimieren, wenn man sich Gedanken macht und den Sinn des Todes einsieht. Die Angst resultiert aus dem Ungewissen, weil keiner weiß, was danach sein wird. Für mich habe ich die Notwendigkeit des Todes eingesehen. Durch die Zeit unterliegen wir einer ständigen Veränderung. An der Natur, an den Jahreszeiten sehen wir, was ich meine: Im Frühling das Neuentstehen allen Lebens, im Sommer die völlige Pracht- und Lebensentfaltung, im Herbst das Sterben der Natur, im Winter der Tod mit dem Übergang zum Frühling, zum neuen Leben. Die Natur stirbt im Herbst, um Platz zu machen, damit sich im Frühling neues Leben entwickeln kann. Und so ist es auch mit uns Menschen: Wir müssen sterben, damit unsere Nachkommen Platz zum Leben haben!
Beim Tod eines Menschen gehen einem die merkwürdigsten Gedanken durch den Kopf. Ich bin christlich erzogen, ohne übermäßig gläubig und religiös zu sein, deshalb kann ich einigen Bibeltexten viel abgewinnen. Die Erfahrung unserer Väter wird sehr schön in einem alten, sehr alten Text ausgedrückt, dem Psalm 90. Da heißt es unter anderem:

Unser Leben währet siebzig Jahre,
und wenn’s hoch kommt, so sind’s achtzig Jahre,
und was daran köstlich scheint, ist doch nur vergebliche Mühe;
denn es fähret schnell dahin, als flögen wir davon.

Nachtrag: Bevor es hier zu Kommentare über die Richtigkeit des Psalm-Zitates kommt, hier der Text aus der Lutherbibel von 1912:

Unser Leben währet siebzig Jahre,
und wenn’s hoch kommt, so sind’s achtzig Jahre,
und wenn’s köstlich gewesen ist,
so ist es Mühe und Arbeit gewesen;
denn es fährt schnell dahin, als flögen wir davon.

Hier der Text aus der Elberfelder Bibel:

Die Tage unserer Jahre, ihrer sind siebzig Jahre,
und, wenn in Kraft, achtzig Jahre,
und ihr Stolz ist Mühsal und Nichtigkeit,
denn schnell eilt es vorüber, und wir fliegen dahin.

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