R I W E R – Blog eines Seniors

12. März 2009

Feuchtgebiete

Seit gut einem Jahr, genau genommen seit Februar 2008, erscheint Charlotte Roches Roman „Feuchtgebiete” in den Literatur Bestsellerlisten von Spiegel und Focus, immer auf den vorderen Plätzen. Wann schaffen es Bücher auf alle Bestsellerlisten? Immer dann, wenn sie einen gesellschaftlichen Nerv treffen oder einer kollektiven Haltung beziehungsweise aktuellen Denkströmung eine Stimme geben.

feuchtgebiete Charlotte Roche hat mit ihrem umstrittenen Erfolgsroman „Feuchtgebiete” den Zeitgeist offensichtlich eingefangen. In Deutschland hat „Feuchtgebiete” inzwischen eine Auflage von über 900.000 Exemplaren erreicht. Die Buchrechte wurden bisher in 30 Länder verkauft. Die deutsche Literaturkritik war perplex. Diesen Erfolg hatten weder die Autorin, noch der Kölner Verlag Neven-Dumont , noch der ebenfalls in Köln ansässige Verlag Kiepenheuer & Witsch erwartet, der das Manuskript abgelehnt hatte.

Die Veröffentlichung wurde von einer heftigen Debatte begleitet, an der Klatschblätter, große Tageszeitungen, Feuilleton und Literaturkritik, Feministinnen und Leser teilnahmen. Es gab Lobeshymnen auf den Mut der Autorin. Und es gab empörte Kritiker und Leser, die das Buch angewidert weglegten und in den Bereich der Pornografie verwiesen. Es erregte in ganz Deutschland die Gemüter.
Charlotte Roche hat laut eigener Aussage ihre Geschichte „zum Spaß“ geschrieben. Nebenbei hat sie ein Plädoyer für ein natürliches Verhältnis zum eigenen Körper und für einen entspannten Umgang mit den von der Werbung propagierten Schönheitsidealen gehalten. Die Leser folgen ihr. Roches deutschlandweite Lesetour war restlos ausverkauft. Wegen ihrer Qualitäten ist sie ein gern gesehener Talkshow-Gast: Frech, furchtlos und gewitzt.

Charlotteroche Charlotte Roche ist dem Millionen-Publikum als frühere Moderatorin des Musiksenders VIVA bekannt, man fragt sich, macht sie das auch im wahren Leben, was sie in ihrem Buch schreibt? Laut Charlotte Roche sagen Buchhändler, das 90 % der Käufer Studentinnen sind und 10 % sehr alte Männer. Der Roman „Feuchtgebiete” steht bis heute unter Pornographie-Verdacht. Das zu benennen, über das man nicht spricht, wie z.B.: die eigenen Mastrubationstechniken, das allein schon ist Pornographie, obwohl die Mehrheit der Frauen behaupten, es steckt kaum Erotik darin, weil die Hauptperson meistens mit sich selbst beschäftigt ist. Es ist eher eine Bibel zur Erkundung des eigenen Körpers. Die meist weiblichen jungen Leser ließen sich nicht beirren in ihrer Begeisterung für die Autorin Charlotte Roche.
Die Regisseurin Christina Friedrich hat aus dem Roman ein Theaterstück gemacht. Es wurde am „Neuen Theater“ in Halle uraufgeführt.

Da fragt man sich, was ist das für ein Buch? Um also “mitreden” zu können, habe ich mir das Buch aus purer Neugierde gekauft. Das Buch ist kein Lesevergnügen, manchmal ekelt man sich beim Lesen. Es ist ein Schmuddelbuch, roh und dreckig. Selbst mir als Mann, der doch schon einiges an Lebenserfahrung mitbringt, gingen einige Passagen des Buches doch zu weit. Wenn man was zu erzählen hat, muss man doch nicht alles aussprechen, manche Dinge sollte man sich nur denken. Gibt es heute kein Tabus mehr? Nach der Hälfte des Buches ist die Neugierde gestillt. Dann ist es fast langweilig. Das Buch löst sein angebliches Versprechen nicht ein oder höchst selten. Kein Wunder, „Feuchtgebiete” spielt ausschließlich im Krankenhaus. Ein scheinbar denklich ungeeigneter Schauplatz für erotische Spielchen.

Worum geht es in diesem Buch? Die Hauptperson ist eine 18 jährige junge Frau, Helen Memel. Sie wird im Krankenhaus wegen Hämorriden behandelt und erforscht ihre intimen Körperzonen und Geschlechtsteile mit höchster Präzision. Sie berichtet von ihren angenehmen und unangenehmen sexuellen Erfahrungen und beschreibt mit großer Liebe zum Detail Flüssigkeiten, Ausscheidungen und weibliche Körperfunktionen.

Man kann das Buch mögen oder nicht, jedenfalls trifft es den Geist der Zeit. Es bricht Tabus.

Hier drei kurze Leseproben:

„Muschigeschmack“
„Bloß nicht zu viel waschen. Einmal wegen der wichtigen Muschiflora. Dann aber auch wegen dem für Sex sehr wichtigen Muschigeschmack und -geruch. Das soll ja nicht weg. Ich mache schon lange Experimente mit nicht gewaschener Muschi. Mein Ziel ist es, dass es leicht und betörend aus der Hose riecht, auch durch dicke Jeans oder Skihosen. Das wird von Männern dann nicht bewusst wahrgenommen, aber doch unterschwellig, weil wir ja alle Tiere sind, die sich paaren wollen. Am liebsten mit Menschen, die nach Muschi riechen.“

Duschköpfe“
„Mit Duschköpfen verstehe ich mich sehr gut. Und ich weiß genau, wie ich ein paar Wasserstrahlen in mich reinbefördert kriege… Erst mal habe ich die Strahlen nur von außen gegen meine Muschi geschossen, später die Vanillekipferln hochgehalten, damit ich die Hahnenkämme und den Perlenrüssel mit dem Wasserstrahl treffe. Je fester, desto besser. Das soll richtig zwiebeln. Dabei hat mal der eine oder andere harte Strahl voll in die Muschi reingetroffen. Da hab ich schon gemerkt, dass das genau mein Ding ist. Volllaufen lassen und – genauso geil – wieder rauslaufen lassen.“

Finger in Po stecken…
„Ich hatte mal einen ganz alten Liebhaber. Ich sage gerne Liebhaber, klingt so altmodisch, besser als Ficker… Eine seiner Hauptlehren bestand darin, dass man einem Mann beim Sex immer den Finger in den Po stecken muss. Dann kommen die besser… Aber lieber nicht mit ihnen darüber reden, vorher oder nachher. Dann kommen sie sich schwul vor.“

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1 Kommentar »

  1. Das Buch wird von den einen gefeiert als Meisterwerk der (erotischen?!?) Literatur, die andern verdammen es als ordinär.
    Ist auch ordinär im Wortsinne- gewöhnlich. Charlotte Roche langweilt mit dem beschränkten Wortschatz der geschlechsorgan- und ausscheidungsfixierten achtzehnjährigen Heldin und einem Humor, der auf einer proktologischen Abteilung lustig ist, gedruckt aber lediglich zum Gähnen reizt.

    Kommentar von Kranker Pfleger — 24. April 2009 @ 10:25


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