R I W E R – Blog eines Seniors

26. März 2009

Bombensicher

EingangVor gut einem Jahr berichtete ich an dieser Stelle von einem Überbleibsel des “Kalten Krieges”, dem damals geheimen, jetzt als Museum zugänglichem Bunker der Bundesregierung im Ahrtal. Mir war nicht bekannt, dass die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen einen ebensolchen Bunker besaß. Dieser NRW-Regierungsbunker wurde in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts gebaut und kostete dem Steuerzahler seinerzeit 10 Millionen Mark (5,1 Millionen Euro). Er steht in Kall-Urft, in der Eifel, etwa 50 Kilometer westlich des bundesrepublikanischen Bunkers im Ahrtal. Das Bauwerk hat ein Volumen von 16000 Kubikmeter und ist von Stahl und drei Meter dickem Beton umgeben.  Der Zugang erfolgt unauffällig durch die Tore einer Doppelgarage.

Fernschreiber Im atombombensichere Bunker ist die Zeit stehen geblieben. Es scheint so, als hätten die Mitarbeiter die Stätte ihres Wirkens in den 60er/70er Jahren gerade verlasen. Die gesamte Inneneinrichtung ist erhalten, vom WDR-Sendestudio bis zum vollständig eingerichteten Fernschreiberraum, vom Putzmittelschrank bis zum Gasmaskenlager. Selbst das Bett des Ministerpräsidenten steht noch an seinem Platz.

Wer weiß heute noch, dass bei einem Atomschlag, der von den “Russen” ausgehen konnte, so sah damals das Feindbild aus, die Abteilung Verkehr im Regierungsbunker versuchen musste, die nach Westen flüchtenden Menschen über den Rhein zu bringen? Wer weiß schon noch, dass an der Rheinschiene sieben Notbrücken in Tausenden Einzelteilen montagefertig eingelagert sind?

1997 kaufte ein Privatmann die gesamte Anlage, einschließlich eines daneben stehenden Wohngebäudes, dem Land NRW ab. Das Haus bezahlte er, den Bunker bekam er als Zugabe geschenkt. Der Bunker wurde zwischenzeitlich zum Museum umgestaltet. An den kommenden Wochenenden startet ein Testlauf mit je einer Führung mit einem Kontrastprogramm in Verbindung mit der Dokumentationsstätte Ahrweiler-Marienthal, bevor ein regelmäßiger Betrieb stattfindet. Der Test soll zeigen, ob der Einbau von Luftentfeuchtern erforderlich ist, um das Innerleben des Betonbunkers dauerhaft zu erhalten.

Vielleicht wird es nach dem Testlauf ja doch eine Dauereinrichtung. Zu wünschen wäre es, um die Erinnerungen wach zu halten, um uns zu mahnen, was hätte passieren können oder noch passieren könnte. Der “Kalte Krieg” ist vorüber, doch die Bedrohungen eines atomaren Schlages kommen heute von ganz anderen Stellen. Diese Betonbunker sind zwar aufgegeben worden, ich bin mir aber sicher, dass es ähnliches woanders gibt. Die Bedrohungen sind nach wie vor präsent.

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