R I W E R – Blog eines Seniors

27. März 2009

Mehr Jungen oder mehr Mädchen?

Junge-Mädchen Was glauben Sie, gibt es mehr Jungen oder mehr Mädchen? Die Frage ist durchaus berechtigt. In den beiden großen Kriegen des letzten Jahrhunderts, aber auch in den Kriegen der Jahrhunderte davor, sind Millionen von Soldaten getötet worden. Nach diesen Kriegen war der weibliche Bevölkerungsanteil immer größer, als der männliche Anteil. Trotzdem ist das Verhältnis von Jungen und Mädchen auf dieser Welt fast gleich. Da fragt man sich: Stimmt es, dass nach einem Krieg mehr Jungen als Mädchen geboren werden?

Christoph Drösser – “Die Zeit” antwortet:

In Friedenszeiten kommen auf 100 neugeborene Mädchen etwa 105 Jungen. Die Sterblichkeit unter Jungen ist größer, und offenbar wird da vorausschauend ein Überschuss produziert. Nach Kriegen steigt diese Überproduktion, das zeigt zumindest die deutsche Geburtenstatistik: Nach dem Ersten Weltkrieg wurden plötzlich 108 Jungen pro 100 Mädchen geboren, der Überschuss ging dann bis 1939 langsam wieder zurück, um 1946 wieder auf 108 zu steigen. Erst 1960 lag die Zahl wieder unter 106. Derselbe Effekt ist auch in den Statistiken Großbritanniens, Belgiens, Irlands und Frankreichs zu beobachten.

Im Krieg sterben mehr Männer als Frauen, deshalb ist dieser Ausgleich durchaus sinnvoll. Aber wie macht »die Natur« das? Das Geschlecht eines Kindes wird ausschließlich durch den väterlichen Samen bestimmt, der entscheidet, ob sich zum X-Chromosom der Frau ein zweites X gesellt oder ein Y. Bisherige Erklärungen für den Nachkriegseffekt waren etwas windig, etwa die Vermutung, heimkehrende Soldaten hätten besonders viel Sex mit ihren Frauen. Daher sei die Wahrscheinlichkeit größer, dass die Befruchtung früher im Menstruationszyklus der Frau stattfinde, und da hätten die männlichen Spermien bessere Chancen.

Nun kommt der Doktorand Corry Gellatly von der Universität in Newcastle mit einer neuen Erklärung (veröffentlicht im Dezember in der Zeitschrift Evolutionary Biology): Er weist zunächst einmal anhand von Stammbäumen nach, dass manche Männer eher Söhne zeugen und manche eher Töchter und dass dies offenbar erblich ist. Und dann argumentiert er: Wenn man jeder Familie im Krieg einen Sohn wegnimmt, dann haben Männer mit vielen Brüdern eine höhere Überlebenschance – entsprechend werden in der nächsten Generation mehr Jungen geboren.

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