R I W E R – Blog eines Seniors

2. April 2009

April – April

1-AprilaprilWurde Ihnen gestern auch ein April – April zugerufen? Sind Sie in den April geschickt worden? Fanden Sie es lustig oder haben Sie sich geärgert? Woher stammt eigentlich dieser Brauch und was hat es mit ihm auf sich? Vielleicht gibt Ihnen folgender Beitrag eine Erklärung:

Lügen haben kurze Beine, sagt der Volksmund; Lügen ist eine Sünde, sagt die Kirche. Doch wir alle wissen: Auch ein ehrlicher Mensch lügt jeden Tag – etwa um Peinlichkeiten zu umspielen oder um harte Wahrheiten abzumildern. Notlügen sind das Schmiermittel für ein friedliches Zusammenleben. Vielleicht gönnen wir deshalb der offiziell verpönten Unwahrheit einmal im Jahr einen glänzenden Auftritt: Am 1. April darf gelogen werden, dass sich die Balken biegen. Auch an dieser Stelle wurde anlässlich dieses Datums schon so mancher Aprilscherz verzapft. Da hat etwa Karl Marx unter dem Pseudonym Karl May den Winnetou erfunden. Oder Theodor Erhard, Vater von Kanzler Ludwig und Komiker Heinz, erfährt im Stichtag endlich die ihm gebührende Ehrung.

Wer wen wann zum allerersten Mal in den April geschickt hat, darüber liegen genaue Aufzeichnungen vor. Glauben Sie nicht? Zugegeben, das war eindeutig geschwindelt. „Wie bei vielen Kulturphänomenen gibt es auch zum 1. April eine Fülle von Ansätzen über Erstnennungen“, erklärt Gunther Hirschfelder, seines Zeichens Dozent für Volkskunde in Bonn. Manche vermuten, der Brauch gehe schon auf die alten Römer zurück. Die sollen am 1. April zu Ehren der Venus rauschende Feste gefeiert haben, derbe Scherze inklusive. Die meisten Erklärungsansätze verweisen aber ins 16. Jahrhundert. So könnte der Augsburger Reichstag von 1530 verantwortlich sein, der eine Reform des Münzwesens zum 1. April beschließt, den Termin dann aber kurzfristig wieder vertagt. Die so genarrten Spekulanten ernten in der Bevölkerung nur Hohn und Spott.

Die plausibelste Erklärung zur Entstehung des europaweit verbreiteten Aprilscherzes orten Hirschfelder und andere Brauchtumsexperten allerdings vor 445 Jahren in Frankreich. 1564, also 18 Jahre vor der von Papst Gregor XIII. dekretierten und bis heute gültigen Kalenderreform, verlegt König Karl IX. das Neujahrsfest eigenmächtig vom 1. April auf den 1. Januar. Eine Neuerung, die allerdings wegen noch wenig ausgebildeter Nachrichtentechnik nur mangelhaft Verbreitung findet. Das daraufhin unweigerlich eintretende Kalenderchaos nutzen Scherzbolde, die trotzdem von der Reform erfahren haben, auf ihre Weise: Sie schicken die Unwissenden in den April, also ins Neue Jahr, das eigentlich schon das alte ist. Im Lauf der Zeit, so Hirschfelder, reift dieses Muster zum jährlichen Lügen-Schabernack, mit dem man gutgläubige Freunde, Verwandte oder Nachbarn verulkt. Im Zeitalter moderner Kommunikationsmittel ist diese über Jahrhunderte tradierte, persönliche Form des Aprilscherzes eher selten geworden. Das Veräppeln zum 1. April erledigen heute stellvertretend Zeitung, Fernsehen und Internet – und ganzjährig all jene TV-Formate, die ihren Opfern mit versteckter Kamera auflauern.

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