R I W E R – Blog eines Seniors

22. April 2009

Nobelpreisträgerin wird 100 Jahre

Rita-Levi-Montalcini Eigentlich ist Rita Levi Montalcini außerhalb Italiens kaum jemanden bekannt, es sei denn, man interessiert sich für Medizin und Physiologie. Vor 100 Jahren, am 22. April 1909, wurde die betagte Italienerin als Zwilling in Turin (Italien) geboren.

Eigentlich, sagt sie, habe sie nach dem  Medizinstudium Ärztin werden wollen, in Afrika als Pionierin angewandter Nächstenliebe wie Albert  Schweitzer. 1928 begann sie ein Studium der Medizin und schloss es 1936 ab. Mussolini´s faschistische Rassengesetze machten es der Jüdin Levi Montalcini unmöglich eine akademische Laufbahn in Italien einzuschlagen. Sie wich nach Belgien aus. 1943 kehrte  sie heimlich nach Turin zurück und richtete im Schlafzimmer ihr provisorisches Labor ein. Als kurz darauf deutsche Truppen in Italien einfielen, tauchte sie in Florenz unter. Erst nach dem Krieg ging sie in die USA.

Experimente mit Hühnerembryos und Mäusetumoren brachten sie auf die Spur des Proteins NGF, das Nerven wachsen lässt. „Nerve Growth Factor“ (Nervenwachstumsfaktor) heißt der Stoff. Die Entdeckung aber und vor allem die daraus erwachsenden Perspektiven zur Heilung verletzter Nervenbahnen – bei Querschnittsgelähmten beispielsweise – haben der Forscherin 1986 als einziger Italienerin den Nobelpreis für Medizin eingebracht.

Schon als Kind habe sie sich „geschworen,  niemals  Ehefrau  und  Mutter“ zu werden. Verheiratet war sie nie. Oder besser: „pausenlos, mit  der  Wissenschaft“, wie Levi Montalcini sagt. Vielleicht kommt daher ihr hohes Alter.

Levi Montalcini ist eine moralische Größe in Italien. Wenn sie vor Studenten spricht, erntet sie rauschenden Applaus. Seit  2001 sitzt sie, vom Staatspräsidenten zur Senatorin auf Lebenszeit ernannt, im italienischen Parlament.

Auch der Geist ist rege wie eh und je. „Mein Gehirn  funktioniert  heute besser als mit 20 Jahren“, sagte Rita Levi Montalcini bei einem Festakt zu ihren Ehren, „weil  es  angereichert ist mit so vielen Erfahrungen und weil ich mir die Neugier erhalten habe.“ Wenn sie von ihrem Vater etwas mitgenommen hat, dann seine weltoffene Freigeisterei. Religiös, sagt Levi Montalcini, sei sie niemals gewesen. Persönlich überzeugend war sie wohl trotzdem, sonst hätte Papst Paul VI. sie nicht als erste Frau  in die Päpstliche Akademie der Wissenschaften berufen.

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