R I W E R – Blog eines Seniors

20. Mai 2009

Kleopatras Grab entdeckt?

Kleopatra-VII Es wäre nicht weniger als eine archäologische Sensation: Der Leichnam von Kleopatra soll im Stollen eines Tempels liegen. Die ägyptische Königin wurde einst zusammen mit ihrem Liebhaber Marcus Antonius an einem geheimen Ort beigesetzt.

Der Chef der ägyptischen Altertümerverwaltung Zahi Hawass meint die größte Entdeckung des 21. Jahrhundert gemacht zu haben. hawassEr hatte in die Sandsteinruinen des Tempels von Taposiris Magna, 50 Kilometer westlich von Alexandria, geladen, um die neueste archäologische Sensation zu präsentieren: Das Grab von Kleopatra und zwar unversehrt. Ein Spezialgerät soll am Fundort Borg al-Arab nahe der ägyptischen Mittelmeerküste Röntgenaufnahmen bis zu 70 Meter Tiefe machen. Im Innern des im 3. Jahrhundert vor Christus entstandenen Gotteshauses wurden tiefe Schächte entdeckt. Und in einem dieser Stollen könnten Kleopatra und ihr römischer Liebhaber Marcus Antonius liegen.

Kleopatra-Taylor-BurtonDas Liebesdrama der beiden, das Verhältnis der ägyptischen Königin zu Julius Caesar sowie ihre mysteriösen Todesumstände beflügelten seit der Antike die Fantasie der Menschen und inspirierten zahlreiche Schriftsteller, Komponisten und Maler. William Shakespeare setzte dem berühmten Duo mit der Tragödie „Antonius und Kleopatra“ ein literarisches Denkmal.  Hollywoods Filmsaga „Kleopatra“ von 1963 mit Elizabeth Taylor und Richard Burton ist bis heute ein Klassiker.

Nach der Niederlage gegen ihren gemeinsamen Widersacher Octavian beging das berühmteste Liebespaar der Antike kurz nacheinander Selbstmord, er mit dem Dolch, sie durch Schlangengift. Doch wie der Historiker Plutarch berichtete, zeigte sich der siegreiche Octavian großmütig. Er erlaubte, dass beide zusammen an einem geheimen Ort „in einer würdigen und königlichen Weise“ beerdigt werden durften – wo genau, das weiß bis heute keiner.

Die Archäologin Kathleen Martinez aus der Dominikanischen Republik, die sich seit 14 Jahren mit dem Schicksal Kleopatras befasst, kam nach umfangreichen Studien zu dem Schluss, der von Ptolemaios II. vor 2300 Jahren errichtete Taposiris-Tempel könnte der gesuchte Platz sein. Sie argumentiert, dass es der heiligste Ort der damaligen Zeit war. Jemanden hier zu bestatten, sei der beste Schutz gewesen, um die Leichname vor Entweihung durch die Römer zu schützen.
Lange Zeit stand Martinez allein. Die meisten ihrer Fachkollegen sind überzeugt, das Grab der beiden sei im 8. Jahrhundert in einem Erdbeben zerstört worden. Doch seit ihr Grabungsteam 2008 unter dem Tempelareal einen aus Alabaster gearbeiteten Kleopatra-Kopf entdeckte, ließ sich auch Antikenchef Zahi Hawass von ihren Argumenten überzeugen. Und als Beleg legte er weitere Funde vor: 22 mit dem Bild Kleopatras geschmückte Bronzemünzen, sowie das Fragment einer Maske, die möglicherweise Marcus Antonius gehörte.
Kurz zuvor hatten die Archäologen in dem Tempelbezirk zehn Gold belegte Mumien von Edelleuten gefunden, für Hawass ein weiterer wichtiger Beweis, dass hier auch beerdigt wurde. Bis zur Lösung des Rätsels wird noch einige Zeit vergehen. Denn der Tempel liegt in der Nähe des Sommersitzes von Ägyptens Präsident Hosni Mubarak, der hier für einige Monate der brütenden Hitze in Kairo entflieht.

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