R I W E R – Blog eines Seniors

26. Mai 2009

Ketten – E-Mails

Filed under: Allgemein — riwer @ 7:00
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Die Mail hört sich rührend an: Ein kleiner krebskranker Junge liegt im Krankenhaus und wünscht sich sehnlichst einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde. Dafür braucht der Siebenjährige jede Menge Post – im besten Fall eine Rückantwort von jedem, den er angeschrieben hat. Scheint ziemlich leicht zu sein, dem kranken Kind zu helfen: Einfach nur eine Postkarte in den Briefkasten stecken oder bei der Mail auf die Antworttaste klicken – und schon ist der gutgläubige Empfänger des herzzerreißenden Appells reingefallen auf einen perfiden Kettenbrief. Den armen Siebenjährigen gibt es nicht. Genauso wenig wie die tumorkranke kleine Natalie, der von AOL die lebensrettende Operation bezahlt wird, wenn nur genügend Menschen auf die Mail oder den Brief antworten. Der leukämiekranke Student, der eine Knochenmarkspende benötigt, ist reine Erfindung, genau wie das Handy, das Nokia angeblich verschenkt.

Seit Jahren kursieren solche Briefe, die auch „Hoax“ (englisch für Scherz) genannt werden, in elektronischer und gedruckter Form. „Kettenbriefe sind eine Art Virus für Arme“, sagt IT-Experte Frank Ziemann, der sich für die Technische Universität Berlin mit dem Phänomen beschäftigt. „Wenn sie in irgendwelchen Listen auftauchen oder sogar eines Tages zu dem zurückkehren, der sie sich ausgedacht hat, ist das eine Auszeichnung für ihren Erfinder.“ Dass mit den Briefen Geld zu machen ist oder ein anderer Profit, ist ein Irrglaube. „Viele denken, dass durch Ketten-Mails Adressen gesammelt werden, die dann verkauft werden können. Da ist nichts dran, schließlich gäbe es da wesentlich einfachere Methoden.“ Es geht also um nichts anderes, als um ein kleines bisschen Ruhm in der „Hoax-Szene“, die sich im Internet in Foren austauscht.

Die Kettenbrief-Erfinder drücken auf die Tränendrüse, um Druck auszuüben. Und selbst Mails, die eigentlich nur Glück bringen sollen, bekommen einen drohenden Unterton verpasst: Wer die Mail nicht mindestens an zehn Freunde weiterleitet, dem wird Schlimmes widerfahren.

Der einzige Schaden, den eine Ketten-Mail anrichten kann, geht allerdings von ihrer Weiterleitung aus. „Es passiert oft, dass sich der, der nur eine gute Tat vollbringen wollte, plötzlich selber als Betroffener in der Mail wiederfindet“, sagt Ziemann. Dann wird eine völlig unbeteiligte Person aus dem Verteiler plötzlich selber als Leukämiekranker aufgeführt. Das ist unangenehm – vor allem, wenn die Lawine der Rückmeldungen plötzlich im eigenen Postfach landet. „Das einzige, was wirklich gegen die Flut der Ketten-Mails hilft, ist, sie kategorisch nicht weiterzuleiten“, sagt Ziemann.

Wer sich nicht sicher ist, ob eine Ketten-Mail echt ist oder nicht, kann sie an Frank Ziemann schicken – der Hoax-Experte nimmt sie dann unter die Lupe. Weitere Informationen dazu gibt es auf www.hoax-info.de .

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