R I W E R – Blog eines Seniors

28. Mai 2009

Kreml-Flieger

Rust-1 Was muss ein junger Mann von 18 Jahren tun, damit er in kürzester Zeit in fast allen Medien der Welt erscheint? Er muss sich etwas originelles ausdenken, was vor ihm keiner getan hat und wahrscheinlich auch nie wieder einer machen wird. Am 28. Mai 1987, heute vor 22 Jahren, landete der Hamburger Mathias Rust mit einem Leichtflugzeug der Marke Cessna 172 im Herzen der sowjetischen Metropole Moskau auf dem Roten Platz, direkt vor dem Kreml.
Rust Wahrscheinlich war er sich seines Tuns gar nicht bewusst und man könnte die ganze Sache als “dummer Jungenstreich” abtun, wenn da nicht die unglaubliche politische Brisanz diesen Flug so aufgewertet hätte.

Da geht dieser Mathias Rust hin und dringt mit seinem gemieteten Flugzeug bei St. Petersburg (damals Leningrad) in den sowjetischen Luftraum ein und folgt dann der Eisenbahnlinie nach Moskau. Sein Eindringen wird zwar von der russischen Flugüberwachung bemerkt, bleibt aber aufgrund von Pannen vorerst ohne Reaktion von sowjetischer Seite. Mehr als fünf Stunden und etwa 900 Km kann er unbehelligt bis in die sowjetische Hauptstadt fliegen. In niedriger Höhe, unterhalb des Radarschirms, bleibt er zunächst unentdeckt vom russischen Radar, wird ab dann entdeckt. rust-2 Am Abend erreicht Mathias Rust in Begleitung zweier Abfangjäger Moskau. Gegen 18:15 kreist die Cessna 172 drei Mal über dem Roten Platz und landet schließlich gegen 18:40 Uhr auf der nahe gelegenen Moskwa-Brücke neben der Basilius-Kathedrale. Er entsteigt der einmotorigen Maschine und gibt Autogramme an sich einfindende Schaulustige. Erst Minuten später wird er von Mitarbeitern des KGB festgenommen.

Welch ungeheuerliches Ereignis! Damals waren die politischen Verhältnisse noch ganz anders. Die Sowjetunion und ihre Verbündeten schotteten sich gegenüber der restlichen Welt ab und war tabu für Normalsterbliche aus dem westlichen Ausland. Man sprach vom “Eisernen Vorhang”.

Für Mathias Rust hatte die Tat Folgen. Er wurde am 4. September 1987 zu vier Jahren Arbeitslager wegen illegaler Einreise, Verletzung der internationalen Luftverkehrsregeln und schweren Rowdytums verurteilt. Knapp ein Jahr später wurde er begnadigt und musste die Sowjetunion sofort verlassen. Vielleicht war ihm sein unverhoffter Ruhm zu Kopf gestiegen, jedenfalls kam er in den folgenden Jahren immer wieder mal mit dem Gesetz in Konflikt. Heute lebt er in Berlin und verdient sich seinen Lebensunterhalt mit professionellem Pokerspiel.

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