R I W E R – Blog eines Seniors

6. Juni 2009

Schädigt schwaches Licht die Augen?

lesen mit taschenlampe Als Kind habe ich schon mal mit der Taschenlampe unter der Bettdecke gelesen. Meistens Literatur oder Comics, die meine Eltern verboten hatten oder von denen ich zumindest annahm, dass sie es nicht gutheißen würden. Wurde ich von meinen Eltern dabei ertappt, ging es nicht unbedingt darum was ich las, viel mehr hieß es: “Du verdirbst Dir noch die Augen”. Deshalb die Frage: Schadet Lesen bei dämmeriger Beleuchtung den Augen?

Christoph Drösser – “Die Zeit” antwortet:

Reden wir erst einmal vom schwachen Licht. Alle medizinischen Ratgeber behaupten, die Warnung unserer Mütter und Väter („Kind, lies doch nicht bei diesem Schummerlicht, du verdirbst dir ja die Augen!“) sei unberechtigt. Zwar könne Lesen bei schlechter Beleuchtung zu Augenbrennen, Ermüdung und Kopfschmerzen führen – eine dauerhafte Schädigung der Augen sei jedoch ausgeschlossen. Nur eine Überdosis Licht könne gefährlich sein, zuwenig Licht niemals.

Aber hat das jemals jemand überprüft? Und wie überprüft man das? Man kann natürlich Fehlsichtige reiferen Alters befragen, ob sie in ihrer Kindheit viel mit der Taschenlampe unter der Bettdecke gelesen haben – sehr objektiv ist das allerdings nicht. Privatdozent Frank Schaeffel, Neuroophthalmologe an der Tübinger Uniklinik, ging einen anderen Weg: Er stellte Versuche mit Hühnern an. Die können bekanntlich nicht lesen, doch kann man studieren, ob ihre Augen schlechter werden, wenn sie längere Zeit in ständigem Dämmerlicht leben müssen. Und siehe da: „Geringe Helligkeit des Bildes auf der Netzhaut in Zusammenhang mit geringem Bildkontrast führen im Tiermodell des Huhns zu Kurzsichtigkeit.“ Für diese Forschungen erhielt Schaeffel 1996 sogar den mit 250 000 Mark dotierten Max-Planck-Forschungspreis.

Es ist also Zeit für eine Entschuldigung bei allen Eltern, über deren Alltagsweisheiten schon gespöttelt wurde. Diesmal, liebe Eltern, seid ihr im Recht! Und durch die Forschungsergebnisse, die an Schaeffels Hühnern gewonnen wurden, läßt sich vielleicht endlich auch erklären, warum so viele Intellektuelle eine Brille tragen: Sie haben als Kinder einfach zuviel unter der Bettdecke gelesen.

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